Skitourenwoche in den Abruzzen

Donnerstag, 16.03.2023
Drei Abruzzen-Neulinge konnte Max überreden und endlich stand fest: das Wetter sollte für mindestens 1 Woche fein werden. Grille, Max und ich starteten um 6 Uhr und trafen uns um 7 Uhr mit Elisabeth in Grabenstätt. Von da weg sind es je nach Verkehrslage noch 10 Stunden Autofahrt bis zum anvisierten Ziel: wir wollten uns mit Christa und ihren Freunden in Rocca di Mezzo treffen. Pünktlich zum Abendessen waren wir im Hotel, wo uns alle schon erwarteten.
Freitag:
Für den ersten Tag waren wir ein wenig planlos, aber Christa hatte natürlich sofort einen Tipp parat: wir fuhren zum Rifugio del Lupo. Max erklärte uns schon mal, dass wir mit diesen Buchenwäldern und diesem Stangenlabyrinth noch oft zu kämpfen hätten. Vom Rifugio gingen wir auf den Monte di Selva Canuta 1794m und nach einer ersten kurzen Abfahrt noch weiter auf den nächsten Gipfel. Von dort konnten wir uns schon mal einen Überblick über das Gebiet verschaffen.

Für die Abruzzen typisch, im unteren Teil dichter Buchen- und Steineichen-Wald



Blick zu einem unserer nächsten Ziele: der "Monte Camicia"



Firnabfahrt vom Monte di Selva Canuta


Samstag:
Das erste Wunschziel wurde in Angriff genommen: der Monte Sirente 2348m. Ab dem Parkplatz Chalet del Sirente mussten wir ca. 45 Minuten die Skier tragen. Weiter ging es durch das Valle Lupara über eine Nordrinne auf den Gipfel. Nach der Gipfelpause erwartete uns die erste Firnabfahrt des Urlaubs.

Unsere Unterkunft in Rocca di Mezzo



Querung vom Normalweg in das Valle Lupara



Blick in die IL Canale Majori. Weil es schattseitig nicht auffirnte, konnte die Rinne nicht befahren werden



Traumfirn in der Val Lupara



Das lässt jedem Skifahrer das Herz höher schlagen


Sonntag:
Schon bei unserer Erkundungstour am Freitag hatten wir festgestellt: vom Rifugio del Lupo kann man noch sehr weit ins Tal fahren und das wollten wir heute verwirklichen. Abenteuerliche 5 Kilometer folgten nun mit dem Auto: so mancher Jeep-Fahrer belächelte wohl unser Gefährt und einmal mussten wir sogar aus dem Auto aussteigen, um sicher durch die Schlaglöcher zu kommen. Aber die Fahrt sollte sich lohnen. Am Talschluss angelangt konnten wir mit den Skiern starten und der erste Gipfel war der Punta Trieste 2230m. Nach der Abfahrt ging es weiter auf den Capo di Pezza 2177m und schließlich noch auf den dritten Gipfel, den Costa della Tavola 2182m. Nun konnten wir endlich über den gewaltigen Hang abfahren, den wir schon die ganze Zeit erspäht hatten.

Rocca di Mezzo



Es war Sonntag und wie bei uns waren viele Tourengeher am Ende des Tals, von dort aus es viele Tourenziele gibt



Unser erstes Ziel: der Punta Trieste



Der zweite Gipfel Capo di Pezza (2177m)



Gewaltige Abfahrt vom dritten Gipfel, dem Costa della Tavola


Montag:
Skitouren-Pause; Besichtigung L´Aquila (große Teile der Stadt wurden bei einem Erdbeben im Jahr 2009 zerstört, der Wiederaufbau geht schleppend voran, man vermutet, dass Hilfsgelder bei der Mafia versickerten); Rocca Calascio (Drehort für "Der Tag des Falken" und "Der Name der Rose"); neuer Standort in Campo di Giove.

Besichtigung von L'Aquila, die Hauptstadt der Provinz "Abruzzo"



Das Forte Spagnolo (italienisch: Spanische Festung) in L’Aquila ist eine der beeindruckendsten Festungsanlagen der Renaissance in Mittel- und Süditalien. Von den Einheimischen wird es gemeinhin auch il Castello genannt. Beim Erdbeben 2009 wurde es schwer beschädigt und ist auch 10 Jahre nach dem Beben noch geschlossen.



"Fontana Luminosa"



Der Dom kann wieder besichtigt werden, nachdem er beim Erdbeben 2009 schwer beschädigt wurde



Rocca Calascio



Rocca Calascio




Es gibt viele Wölfe in den Abruzzen "Liberi Rebelli" - Freiheit für den Rebellen


Dienstag:
Leider machte uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung und es nieselte bis nach Mittag. So wurde eine Wanderung unternommen und die Stadt Sulmona besichtigt.

Campo di Giove,wo wir in einem sehr schönen B&B zwei Nächte verbrachten.



B&B "Casa Antonetti"



Stadtbesichtigung von Sulmona, im Hintergrund die Gipfel der Majella-Gruppe



Das Acquedotto medievale ist ein mittelalterliches Aquädukt


Mittwoch:
Nächstes gewünschtes Highlight: der Monte Amaro 2793m in der Majella-Gruppe. Wir parkten auf ca.1300m neben der Straße am Passo Leonardo und trugen 30 Minuten die Skier. Dann ging es durch lichten Buchenwald bis zur Rava Giumenta Bianca. Eine unendlich scheinende Rinne - zuerst relativ gemütlich, dann in unzähligen Spitzkehren - galt es zu bewältigen. Aber die Verhältnisse waren optimal und bereits der Schlussanstieg auf den Gipfel bot uns atemberaubende Aussichten. Kurz unterhalb des Gipfelkreuzes steht das Bivaco Pelino und dort machten wir Pause - das angewärmte Eisen des Bivacos strahlte angenehm auf unseren Rücken. Nach den 1550HM Aufstieg folgte die dementsprechende Abfahrt und wir fuhren in den schier nicht enden wollenden einsamen Firnhang. Beim Auto empfing uns der Frühling und wir machten ausgiebig Brotzeit - in den Orten bekommen wir ja eh nichts - Siesta! Standortwechsel nach Barisciano/ Poggio Picenze.

Über 1000Hm hat die Rava Giumenta Bianca



Die Rava Giuenta von oben an der Querung zum Steilaufschwung



Bivaco Pelino



Der Monte Amaro ist mit 2793 der höchste Gipfel in der Majella-Gruppe



Einfahrt über eine 40° steile Seitenrinne in die Rava Giumenta Bianca



1500Hm Abruzzen-Firn vom Feinsten.


Donnerstag:
Der Monte Camicia 2564m sollte es an diesem Tag werden. Wir fuhren an Castel del Monte vorbei und parkten unser Auto auf der Hochfläche Campo Imperatore auf ca. 1600m. Über das Vallone di Vradda suchten wir uns einen geeigneten Weg durch das Felslabyrinth und gelangten nordseitig auf den Gipfel. Waren es bei der Abfahrt vom Gipfel weg noch schöne Hänge und breite Rinnen, wurden diese immer schmäler und waren schließlich nur noch breit wie eine Skilänge. Danach wurde noch die alte Stadt Castel del Monte (Drehort für "The American" mit George Clooney) besichtigt.

Blick zurück zur Majella-Gruppe mit der Stadt Sulmona



Castel del Monte, die Stadt wurde beim letzten Erdbeben stark beschädigt



Aufstieg über eine gigantische Rinne zum Monte Camicia (2564m)



Blick zur Sirente-Gruppe mit seinen gigantischen Rinnen vl.D'Arano, Lupara und Majori



Abfahrt durch eine gigantische Halfpipe.



und manchmal so eng, dass schwingen kaum mehr möglich war


Freitag:
Wir fuhren um 8:30 Uhr mit der Funivia (die Seilbahn bietet Platz für 100 Personen in einer Kabine, Bergsteigerticket 9€/Person) von der Talstation Fonte Cerreto Assergi 1115m zum Campo Imperatore 2130 m. Von dort ging es über die Sella di Monte Aquila auf dem Sommerweg zum Westgrat des Corno Grande (Gran Sasso,(2912m). Nach der Abfahrt wurde mit der Bahn wieder ins Tal gefahren und die 12stündige Heimfahrt angetreten.

Blick vom Campo Imperatore auf die gleichnamige Hochfläche



Aufstieg über den Westgrat zum Corno Grande



Grande Abschluß am höchsten Berg der Abruzzen den Corno Grande (2912m)



Abstieg über den Nordgrat und Nordflanke zum Skidepot



Nordflanke des Corno Grande, über die im Sommer der Normalanstieg führt



Schön war es und im Tal hält der Frühling schon Einzug. Den besten Abruzzenfirn hat man im März



Fazit: Max hat sicher drei neue Abruzzen-Fans gewonnen 😊

Bericht: Petra